Unter Keimen

Können Sie mir bitte Angaben zu Ihrem Namen und Ihrem Berufsfeld nennen?


Ich bin Lydia Scholz und mache gerade eine Ausbildung zur PTA. PTA bedeutet pharmazeutisch-technische Assistentin. Das heißt, ich arbeite gerade in einer Apotheke und nächstes Jahr im Februar habe ich meine Ausbildung abgeschlossen. Zu der Ausbildung gehören zwei Jahre Schule und ein halbes Jahr Praktikum.

Wie verhalten sich die Kunden momentan?


Am Anfang der Pandemie, hab ich mir von meinen Kollegen sagen lassen, waren die sehr angespannt und auch sehr aggressiv gegenüber anderen Kunden. Aber mittlerweile hat es sich schon ein bisschen entspannt. Es sind halt alle sehr vorsichtig. Wenngleich es immer die Kunden gibt, die nicht einsehen eine Maske zu tragen, und die können dann auch die Apotheke verlassen. Jedoch gibt es auch viele ältere Leute, die das einfach vergessen. Die dann ohne Maske in die Apotheke kommen. Aber insgesamt wird das Bewusstsein dafür immer größer.


Welche Corona-Maßnahmen wurden in Ihrer Filiale ergriffen?


Wir haben, wie fast überall, sowohl Plastikscheiben als auch Desinfektionsspender. Die Kunden tragen Masken und seit zwei, drei Wochen auch wir Beschäftigten wieder. Das war bei uns zwischenzeitlich ausgesetzt. Dann versuchen wir natürlich die Abstandsregeln einzuhalten. Zu schauen, dass nicht allzu viele Kunden in der Apotheke sind und dass Begleitpersonen am besten draußen warten. Außerdem hat unsere Filiale zwei Türen, wobei eine mittlerweile ausschließlich als Eingang und die andere ausschließlich als Ausgang genutzt wird. Außerdem haben wir in der Apotheke ein Labor, in welchem beispielsweise Salben hergestellt werden. Dort haben wir jetzt auch höhere Hygienestandards. Mittlerweile tragen wir immer einen Mundschutz, wenn wir im Labor arbeiten. Des Weiteren lüften wir auch regelmäßig den Verkaufsraum und desinfizieren einmal pro Stunde alle Türen und die Verkaufstische.

Wie beurteilen Sie die Verfügbarkeit gewisser Apothekenartikel, wie zum Beispiel Masken oder Desinfektionsmittel?


Das ist immer ganz unterschiedlich, je nachdem, wie die Hersteller uns das liefern können und wie die Lieferbedingungen sind. Es gab Phasen, da hatten wir keine FFP2-Masken. Trotzdem kamen Kunden in die Apotheke und wollten welche kaufen. Mittlerweile ist die Lieferbarkeit und die Verfügbarkeit von Masken und Desinfektionsmittel eigentlich ganz gut.


In welcher Art und Weise ist Ihre Filiale wirtschaftlich betroffen?


Bei uns läuft es eigentlich gerade noch relativ gut. Ich habe da auch keinen direkten Vergleich zu vorher. Aber Erkältungsprodukte, Masken oder auch Desinfektionsmittel laufen jetzt viel besser. Uns Mitarbeiter geht das nicht so viel an, aber halt vor allem den Apothekenbesitzer. Der haftet in der Apotheke mit seinem privaten Vermögen. Das heißt, wenn die Apotheke weniger verdient, hat er auch weniger Geld. Falls zum Beispiel jetzt ein Corona-Fall bei uns auftritt, dann müsste die Apotheke geschlossen werden. Folglich würde halt nichts verkauft werden. Das ist für uns sehr schlecht, weil dann in dieser Zeit kein Gewinn, sondern viel Verlust gemacht wird.


Bestehen bei Ihnen oder Ihren Kollegen und Kolleginnen verstärkte Sorgen um Ihre eigene Gesundheit?


Ich persönlich habe jetzt nicht unbedingt Angst um meine Gesundheit, aber es gibt halt auch so Sachen, wo ich dann denke: „Na, ist das denn jetzt noch sicher oder Corona-konform?“ Denn wir bieten zum Beispiel auch Blutdruck- und Blutzuckermessungen an. Da geht man schon sehr nah an den Kunden. Selbst wenn beide eine Maske aufhaben und es in einem großen, belüfteten Raum stattfindet, kommt man der Person schon sehr nah. Sowas finde ich, sollte dann eigentlich schon mehr eingeschränkt werden. Wir haben immer viel Kundenkontakt und da müssen wir auch damit rechnen, dass wir mehr Keimen ausgesetzt sind. Ich versuche schon den Kontakt mit Freunden und Familie zu meiden. Falls ich mir nämlich da Corona hole und das in die Apotheke bringe, dann werden im schlimmsten Fall auch bereits schwerkranke Leute infiziert. Aber wenn man sich jetzt jeden Tag verrückt macht, bringt das auch nichts. Mittlerweile ist man da auch ein bisschen mehr abgestumpft. Schließlich geht das schon eine ganze Weile so. Diese Abgestumpftheit hat halt irgendwie seine Vor- und seine Nachteile. Aber das ich mir jetzt gar keine Sorgen mache und das es meinen Kollegen anders geht, würde ich nicht behaupten.

Gibt es Regelungen, von denen Sie meinen, dass diese nach Corona beibehalten werden sollten?


Zum Beispiel diese Plastikscheiben finde ich sinnvoll, weil es auch Kunden gibt, die nah herankommen, um einem eine Verletzung zu zeigen. Dann ist da ja auch noch der große Punkt, dass auch außer Corona sehr viele Krankheiten existieren. Vor allem in der Erkältungszeit stecken sich viele mit Grippen und generell Infekten an. In die Apotheke kommen nun mal kranke Menschen und dann ist es einfach super, einen Schutz zu haben. Die Desinfektionsmittelspender kann man eigentlich auch stehen lassen. Meiner Meinung nach ist das auch gar nicht schlecht und viele davon hätte es schon viel früher geben sollen, da sie eigentlich selbstverständlich sind.

Text: Tim Hartmann

Bild: Clker-Free-Vector-Images / 29580 Bilder- Pixabay

Interview geführt am: 14.11.2020

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