Neuer Urbanismus – Weg zur nachhaltigen Stadt? 

Städte sind grau, schmutzig und laut. Und doch dreht sich so vieles in unserem Leben um Städte, selbst wenn wir nicht in einer wohnen. Verbesserung – das verspricht die Bewegung des Neuen Urbanismus. Städte sollen demnach für Mensch und Natur geplant werden, statt für Autos und Industrie.

Das erklärte Ziel des Neuen Urbanismus ist nachhaltige Stadtentwicklung, aber was ist das überhaupt? Laut Jürgen Perschon von der Stiftung Entwicklung und Frieden (SET) geht es bei Nachhaltigkeit im Allgemeinen darum, die Bedürfnisse einer Generation zu befriedigen, ohne dass andere Generationen ihre nicht mehr befriedigen können. In Bezug auf Stadtentwicklung heißt das, jeder soll dieselben Chancen haben zu lernen, zu arbeiten, gesund zu bleiben und politisch teilzuhaben. Das muss aber auch wirtschaftlich und effizient sein.

Anzeichen für fehlende Nachhaltigkeit einer Stadt sind Armut, viele Staus und fehlende Grünflächen. Die Charta des Congress for the New Urbanism möchte diese Probleme lösen, indem sie vorschlägt Städte begehbar und kompakt zu bauen, Wohnmöglichkeiten für unterschiedliche Menschen anzubieten und Alternativen zum Verkehr mit dem Auto zu schaffen. Eine Stadt des Neuen Urbanismus soll die wichtigsten Dienstleistungen, wie Bildung, Gesundheitswesen und Arbeit, zentral in der Nähe der Bürger haben. Dies soll nicht ein Ort in der Stadt sein, sondern für jedes Viertel gelten.

Diese Bauart senkt Lärm, Verschmutzung und Emissionen. Bei kürzeren Strecken müssen wir schließlich auch weniger Auto fahren. Einer Umfrage von Statista zufolge müssen deutsche durchschnittlich jeden Wochentag eine Stunde pendeln. Wir könnten diese Zeit deutlich besser nutzen, wenn wir einfach näher an der Arbeit oder der Schule wohnen würden.

Zusammen mit verschiedenen Wohnangeboten, die zu erschwinglicheren Preisen führen sollen, hat dies den Vorteil, Chancengleichheit zu verbessern. Zurzeit kann es sich gar nicht jeder leisten, nah am Stadtzentrum zu wohnen, geschweige denn ein Auto zu kaufen. Das heißt, dass der Neue Urbanismus gerechteren Zugang zu allen städtischen Dienstleistungen schaffen kann.

Außerdem fördern wir damit Gemeinschaften. Die Zentren mit ihren vielen Angeboten werden zu Orten, an denen wir uns alle treffen und damit auch einander kennenlernen oder helfen können.

Der Neue Urbanismus sieht vor, Autoverkehr größtenteils durch öffentlichen Verkehr oder Fahrradwege zu ersetzen. Einige Autofahrer haben berechtigterweise Angst davor, nicht mehr so einfach mit dem Auto fahren zu können. Allerdings werden viele gar kein Auto mehr brauchen und der Rest kann sich auf freiere Straßen freuen. Es konkurrieren dann ja weniger Autos mit ihnen um den Platz auf der Straße. Damit werden sie auch bei längeren Wegen nicht so lange fahren müssen.

Ein Bericht der University of Oregon zeigt, dass extrem viel Platz frei wird, wenn wir Straßen oder zumindest Spuren ersetzen. Zusammen mit dichterer Bebauung führt dies zu viel Platz der nicht nur für Nahverkehr, sondern auch neue Parks oder Grünflächen genutzt werden kann.

Viele denken, dass Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit immer sehr teuer sein müssen, aber der Neue Urbanismus kann auch ökonomisch nachhaltig sein. Mark R. Stevens stellt zwar fest, dass der Bau nachhaltiger Viertel zurzeit noch teurer ist, geht aber auch von sinkenden Kosten in naher Zukunft aus. Mit mehr Fußgängern gibt es dafür aber auch mehr Laufkundschaft, sodass Läden dafür mehr Gewinn erwirtschaften können. Die dichtere Bebauung hilft außerdem Mietkosten zu senken.

Theoretisch klingt der Neue Urbanismus also wie ein Alleskönner – sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltig. Warum werden dann nicht überall Städte so gebaut? Er ist zwar noch nicht weit verbreitet, es gibt aber tatsächlich bereits heutzutage Beispiele in Deutschland, so wurden einige Viertel Düsseldorfs und Potsdams nach den Prinzipien des Neuen Urbanismus gebaut. Und vielleicht werden es in Zukunft noch mehr, wenn wir uns alle dafür einsetzen.

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  1. Vom Haus der Eigenarbeit zur Stadt der Commonisten – Zum Forschungsverstandnis der anstiftung. In: Melanie Jaeger-Erben et al. (Hg.): Soziale Innovationen fr nachhaltigen Konsum, Innovation und Gesellschaft, S. 243-262, Springer VS, Wiesbaden 2017. (mit Christa Muller)

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