Mit der Zeit gehen

Laut einer Studie der University of Southern California sind 48 Millionen Twitter Accounts sogenannte Bots, also automatisierte Programme und nicht von Menschen gesteuert. In einer anderen Studie von Infratest dimap begegnen 76% der 14- bis 24-Jährigen im Internet mindestens einmal pro Woche Fake News. 

Wissen Jugendliche von den Gefahren, die sie im Internet umschweben? Können Sie Fake News als solche identifizieren? Besitzen Heranwachsende bereits genügend Fähigkeiten, um das Netz kritisch zu bewerten?  

Die aktuellen Entwicklungen legen eine Einführung des Fachs „Medienkunde“ nahe. Doch was bedeutet das eigentlich genau? 

Politische Bildung 

Zunächst führt ein grundlegendes Verständnis des politischen Systems und das Interesse für aktuelle Politik zu einem geringeren Risiko, auf Fake News reinzufallen. Der Einzelne ist durch das bereits vorhandene Wissen über die Strukturen der Politik besser in der Lage, den Wahrheitsgehalt von Meldungen über ebendiese zu überprüfen. 

Außerdem hilft eine gewisse Medienkompetenz dabei zu erlernen, wie man sich über politische Debatten richtig informiert und auf dem aktuellsten Stand hält.  

Darüber hinaus haben die  Medien auch andere wichtige Funktionen, wie zum Beispiel die Meinungsbildungsfunktion. Man erlernt, verschiedene Meinungen gegeneinander abzuwägen und eine eigene zu bilden. 

Auch dient die Medienkompetenz als Informations-, Kommunikations- und Ausdrucksmittel. Man informiert sich im Internet und hat die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen auszutauschen und zu üben, seinen eigenen Standpunkt prägnant auszudrücken. Um die Jugendlichen zu mündigen Bürgern zu erziehen, müssen sie in ihrer politischen Stimme gestärkt werden.  

Zudem lernt man, politische Instanzen nach informierender Recherche zu kontrollieren und ihr Fehlverhalten sachlich zu kritisieren. Im Kleinen betreiben die Heranwachsenden, was die Institutionen unserer Politik, wie zum Beispiel Oppositionen, im Großen ausüben. Jugendlichen werden Werte, wie Mündigkeit, Selbstbestimmtheit und Chancengleichheit, gelehrt. Durch diese Werte wird ihnen vermittelt, dass auch ihre Meinung zählt und sie Einfluss auf die Politik ausüben können. 

Schutzfunktion 

Des Weiteren dient Medienbildung der Prävention. Im Rahmen eines Faches „Medienkunde“ könnte den Schülern ein sensibler Umgang mit den Medien beigebracht werden. Durch sicheres Ausprobieren der vielfältigen Angebote hätten Heranwachsende die Möglichkeit, aufmerksam zu werden, welche Informationen vertrauenswürdig sind. Zudem vermittelt man ihnen damit, wie sie sich im Netz schützen können. 

Zum einen lernen Schüler in diesem Rahmen über die Gefahren von Fake News. Da diese darauf abzielen, die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten zu polarisieren, ist es existenziell, Heranwachsende vor dieser Hetze zu bewahren. Es ist außerdem von großer Bedeutung, weil Falschmeldungen immer dann gefährlich werden können, wenn dadurch Stimmung gegen staatliche Institutionen oder das politische System gemacht wird. 

Zum anderen muss der Umgang mit Cybermobbing vermittelt werden. Schülern wird beigebracht, wie sie erst gar nicht in Situationen geraten, in denen sie zur Zielscheibe im Internet werden. Durch Erlebnisse mit Cybermobbing werden bei Betroffenen akute psychische Probleme und ein vermindertes Selbstwertgefühl ausgelöst. Das kann besonders Jugendliche belasten, da sie noch nicht in der Lage sind, so rational handeln zu können wie Erwachsene. Damit junge Menschen nicht in diese Fallen tappen, braucht es die Lenkung durch erfahrene Lehrkräfte im Rahmen der „Medienkunde“. 

Zukunftsgerichtete Bildung 

Wissen über Medien ist eine existentielle Grundvoraussetzung im zukünftigen (z.B. beruflichen) Alltag.  Es ist nämlich kein Geheimnis, dass die Welt immer digitaler wird. Daher wäre es ein Problem, wenn Schüler am Ende ihrer Schullaufbahn nicht wüssten, wie man beispielsweise PDFs speichert oder mit Office Programmen umgeht. So würde man die Heranwachsenden ohne dieses wichtige Basiswissen in die (Berufs-) Welt entlassen. Aber das ist ja nicht so schlimm, denn nach der Schule ist es natürlich wichtiger, Dur-Tonleitern richtig zu bestimmen oder zu wissen, wie viel Volumen Pauls 40 Wassermelonen insgesamt haben. 

Was hierbei aber oft vergessen wird, ist, dass die Schule versucht, jedem die gleichen Chancen für den Einstieg ins (Berufs-) Leben zu ermöglichen. Daher würde man durch dieses Schulfach eines der wichtigsten Pfeiler der Demokratie, nämlich die Chancengleichheit, unterstützen. 

Darüber hinaus bietet solch ein Fach die Möglichkeit, Kinder schon von Grund auf für „Medien“ zu begeistern und ihre möglichen Talente zu fördern. So könnten sie schon frühzeitig erkennen, worin ihre Stärken liegen, und eine stabilere Zukunft mit klareren Berufswünschen entwickeln. 

Zudem bietet das praxisorientierte Arbeiten viel Raum für Kreativität, wenn die Schüler beispielsweise Videos gestalten, in denen sie ihre Meinung äußern, statt einen viel zu langen Aufsatz zu schreiben. 

Abschließend lässt sich nach ausgiebiger Beschäftigung mit dem Thema sagen, dass das Fach „Medienkunde“ dringend nötig ist. Ein klarer Anstoß der Politik ist existenziell, um endlich mit der Entwicklung der Zeit zu gehen. Nur durch eine einheitliche Linie lässt sich langfristig eine Einführung erreichen.  Im Zuge dieses Faches muss den Schülern ermöglicht werden, sich zukünftig auch im digitalen Berufsleben zurechtzufinden.  Wir schlagen vor, das Fach zunächst als Wahlfach anzubieten, um es keinem aufzuzwingen. Mit der Zeit ließe sich beobachten, in welche Richtung es sich entwickelt, um zu entscheiden, ob es als Pflichtfach nicht für alle ein Gewinn wäre. 

Text: Jiyan K., Lilly S., Julia H. ; Foto: Marvin Meyer – Unsplash

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