Leere Hörsäle, gesperrte Unis

Die Studierenden sind ratlos.

,,Das finde ich traurig“ – Ob zu hohe Semesterbeiträge oder ungünstige Maßnahmen: Die Studierenden finden kein Gehör.

Albina Begiqi beschreibt im Interview ihren Corona-Alltag an der Uni.

Merken Sie einen großen Unterschied in der Lernatmosphäre im Vergleich zu den bisherigen vier Semestern?

Ja, total. Ich habe die Uni von innen seit Januar nicht mehr zu Gesicht bekommen und es ist einfach schwierig, zuhause zu lernen. Wir können nicht mehr wirklich aus unserem gewohnten Umfeld, sprich unserem Zimmer oder dem Büro, rauskommen und uns gezielt irgendwo hinsetzen, wo es wirklich nur um das Lernen geht und wir keinerlei Ablenkungen ausgesetzt sind. Somit sehe ich hier für mich einen Nachteil. Abgesehen von der räumlichen Atmosphäre fehlt des Weiteren noch der soziale Kontakt, mir fehlen meine Kommilitonen. 

Gibt es Wünsche Ihrerseits nach neuen Angeboten oder Maßnahmen seitens der Hochschule zur Vereinfachung der Corona-Situation?

Ich kann verstehen, dass die Pandemie recht plötzlich kam und daher nicht sofort ein passendes Konzept erstellt werden konnte, zumal es sich um eine große Zahl an Studenten handelt. Allerdings finde ich, da die Situation nun seit fast einem Jahr besteht, dass sich die Zuständigen dort zusammensetzen und ein Konzept erstellen sollten. Es gibt unter uns Studierenden einige, die auf die Räumlichkeiten der Hochschule angewiesen sind. Daher sollten uns Räume zur Verfügung gestellt werden, in denen wir lernen können. Ob mit oder ohne Masken, spielt hier keine Rolle.

Wie bilden Sie sich derzeit am meisten fort?

Da gibt es zahlreiche Methoden, die uns zur Verfügung stehen. Unsere Professoren/innen laden teilweise Präsentationen mit dazugehöriger Erklärung hoch, wodurch wir an den Stoff für unsere Unterlagen kommen. Darüber hinaus können wir über unsere Online-Bibliothek ausgewählte Bücher ausleihen, welche wir im Anschluss vor Ort an der HaWK abholen können. Die Professoren/innen bemühen sich zudem stets, Zoom-Sitzungen zu veranstalten, um alle Fragen zeitig beantworten zu können und zeigen sich auch per E-Mail sehr hilfsbereit. Ansonsten nutze ich das Internet. Somit haben wir nach wie vor genügend Möglichkeiten, an unser Wissen zu gelangen.

Es scheint, als hätte man dort passende Möglichkeiten gefunden. Werden jedoch die Semesterbeiträge den Umständen angepasst?

Meiner Meinung nach nicht. Sie werden nämlich sogar erhöht, was ich mir nicht erklären kann. Der Beitrag stieg nun von ca. 390€ auf ca. 410€, was zwar nur grob 20€ mehr sind, die für Studenten jedoch viel ausmachen können. Einige Studierende haben ihre Arbeit verloren und müssen neben der Bezahlung ihrer Wohnung nun schauen, wie sie über die Runden kommen. Wir hätten alle erwartet, dass die Kosten sinken, da wir aus Hygienegründen mittlerweile weder Bus noch Bahn fahren und somit das Semesterticket nicht mehr nutzen. Außerdem ist die HaWK komplett geschlossen, weshalb wir keine Räume nutzen können. Ferner bietet sich uns nicht mehr die Möglichkeit, in der Hochschule zu drucken, wodurch sich auch das Druckgeld nicht mehr rentiert. Das ist schwachsinnig, deshalb ergibt die Erhöhung des Semesterbeitrages für mich keinen Sinn.

Gibt es Möglichkeiten, sich mit Ihren Anliegen an Ihre Hochschule zu wenden?

Tatsächlich haben sich bereits häufiger mehrere meiner Kommilitonen zusammengesetzt und Leserbriefe geschrieben oder Petitionen gestartet, um sich Gehör zu verschaffen. Dies hat leider nicht funktioniert, vieles ist einfach schief gelaufen. Ich kann mir vorstellen, dass sich seitens der Hochschule Mühe gegeben wurde, wofür ich auch dankbar bin. Es wurden Mittel und Wege gesucht, um uns ein weiteres Studieren zu ermöglichen und dieses zu vereinfachen, jedoch hätte man heutzutage mehr erreichen können. Das finde ich traurig.

Ich sehe, dass sich dies als durchaus problematisch für Sie erweisen kann. Merken Sie einen psychischen Druck, der auch unabhängig vom Studium aus der momentanen Lage resultiert?

Dadurch, dass die gesamte Situation total neu für uns alle war, wurden im letzten Semester weniger Klausuren geschrieben, die wir nun nachholen müssen. Durch den Ausfall der Klausuren kamen gehäuft Präsentationen, Hausarbeiten und Referate infrage und es wurden viele Aufgaben verteilt. Ich stand dann letztendlich vor dem Problem, wie ich mir das alles einteilen soll, zumal der Umfang nun mal enorm war. Dennoch versuche ich, in der Regelstudienzeit fertig zu werden, was eine psychische Belastung mit sich bringt. 

Verursacht die Pandemie geringere Kompetenzen bei den Studierenden im Vergleich zu den vorherigen?

Erfahrungen durch die Praxis fallen weg. Meist sind das 300 Stunden, die wir praktisch leisten müssen. Das ist schon eine lange Zeit, in der man viel hätte lernen können und Erfahrungen in Praxisfeldern hätte sammeln können, das ist uns nicht geboten.

Dass Ihre Praktika entfallen, bringt mich auch schon zu meiner nächsten Frage: Inwiefern schränkt es Sie ein, die Praktika nicht machen zu dürfen?

Gerade in meinem Studiengang ist es sehr einschränkend, weil mein Berufsfeld äußerst praktisch orientiert ist. Durch die vielen Praktika, die für meine Studienzeit vorgeschrieben sind, hätte ich eine Menge Erfahrungen sammeln können, was nun entfällt. Außerdem kann ich mir ohne die Praktika keine Eindrücke von verschiedenen Berufen einholen, durch die mir letztendlich die Wahl meiner zukünftigen Arbeit leichter fallen würde.

Funktioniert der Informationsaustausch unter den Studierenden so, wie Sie es sich wünschen?

Wir haben glücklicherweise das Privileg der sozialen Medien und können den Kontakt untereinander mit diesen halten. Es ist leider nicht das gleiche, wie bisher, zumal wir uns nicht sehen, nicht auf dem Campus treffen und neu kennenlernen können. Der Menschenkontakt fehlt mir, jedoch schaffen wir es gemeinsam durch Facetime, Zoom oder Whatsapp, Informationen auszutauschen.

Was ist die beste Veränderung, die wir ohne Corona nicht gehabt hätten?

Es ist bemerkenswert, wie die Unis versuchen, den Studierenden die Situation zu erleichtern. Vorteile fallen mir auf die Schnelle jedoch nicht ein, außer vielleicht, dass man mehr Zeit zuhause verbringen kann, aber ob das so positiv ist, weiß ich nicht. Für die einen schon, für die anderen weniger.

Ich danke Ihnen sehr für das Gespräch und Ihre Auskünfte.

Gerne.


Zur Person:

Albina Begiqi ist Studentin und wohnhaft Hildesheim. Im fünften Semester studiert die 20-jährige Soziale Arbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst.

Das Interview führte: Aurora; Bild: Pixabay

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