Interview mit einer Friseurin

Während der Pandemie hatten viele Betriebe, vor allem kleine Betriebe, Probleme. Nicht nur die Schließungen, sondern auch die Schutzmaßnahmen, die bei der Wiedereröffnung eingeführt werden mussten, haben zu finanziellen Schwierigkeiten geführt. Im folgenden Beitrag habe ich eine Friseurin zu diesen und anderen Schwierigkeiten interviewt.

Können Sie mir einmal erzählen, welche Hygienemaßnahmen sie in ihrem Betrieb eingeführt haben?

In der ersten Phase im März mussten wir sieben Wochen lang schließen, weil wir schon gleich am Anfang gar nicht mehr viel zu tun hatten. Danach haben wir Verordnungen bekommen. Wir müssen Abstand halten, die Hygieneverordnung mit Desinfektionsmitteln aufrechterhalten, Klebestreifen aufkleben, Wände bauen, unsere Dienstleistung auslassen, dürfen keine Getränke mehr ausschenken, keine Zeitschriften mehr auslegen und wir mussten aus den Friseurgeschäften alles entfernen, damit wir nicht zu viel Fläche haben, wo sich das Virus hält. Das waren die ersten Maßnahmen.

Während der Lockdown Zeit gab es hier auch einen sehr großen Mangel an Schutzmaßnahmen, wie Masken und Desinfektionsmittel. Wie sind Sie damit zurechtgekommen?

Wir Friseure haben schon immer eine Hygieneverordnung. Desinfektionsmittel haben wir immer vorrätig, aber Masken hatten wir gar nicht da. Über den Arbeitsschutz haben wir flächendeckendes Arbeitsdesinfektionsmittel bekommen. Ansonsten haben wir die Friseurgeschäfte mit den ganzen Abstandshaltern und Trennwänden wieder in Schwung bekommen. Das war sehr schwierig, da die Baumärkte alle fast ausverkauft waren. Ich mache das in meinen Friseurgeschäften, dass wir gar nicht auf 10 Quadratmeter gehen, sondern dass wir wirklich jeden Kunden nacheinander bedienen. Dadurch haben wir zwar weniger Kundschaft, aber es ist sicherer.

Hatten Sie Probleme mit Kunden, die sich gar nicht an ihre Maßnahmen halten wollten?

Wir haben einige Kunden zu Anfang gehabt, die sich von uns erst mal gar nichts sagen ließen. Wir hatten zu Anfang auch echte Probleme, dass die Kunden meinten, sie können ihre Handys rauspacken oder sie könnten die Getränke auch weiter da haben oder sie müssten Handschuhe nicht anziehen. Wir wollen auch, dass bei uns Handschuhe angezogen werden, damit der Kunde abgedeckt ist.

Wie mussten sie mit Kunden umgehen, die sich nicht an ihre Regeln halten wollten?

Wir haben verschärft Kunden, leider Gottes, darauf hinweisen müssen. Immer ältere waren es bei uns, denen wir das Ganze zeigen mussten, wie man Hände desinfiziert und wäscht. Es waren alles neue Erfahrungen, für Alt und Jung.

Gab es Kunden, die sich so sehr dagegen gesträubt haben, sich daran zu halten, dass sie wirklich jemanden rausschmeißen mussten?

Wir hatten einen Kunden, der meinte, er bräuchte keine Handschuhe anzuziehen. Und deswegen sagte ich ihm, dass wir uns an die Verordnungen halten müssen. Daraufhin beschimpfte er uns alle und ist dann nach Hause gegangen. Wir haben das öfter zu Anfang gehabt, aber damit muss man leben. Wir haben Hausrechte. Wir dürfen nicht die Kunden so bedienen. Alleine schon für den Schutz gegenseitig ist das sehr wichtig.

Wie haben sie den vergangenen Lockdown überstanden und wie sind ihre Aussichten für einen zukünftigen Lockdown?

Wir hatten sehr große Probleme in der Vergangenheit und mein Personal hat auch sehr mit mir leiden müssen. Wir haben alle keine Gehälter mehr bekommen. Wir ziehen das Ding aber weiter durch. Wir sind weiter da und wir versuchen, beide Geschäfte, so gut wie es geht, beizubehalten. Ich würde mich freuen, wenn ich das könnte, weil beide Geschäfte jetzt schon so alt sind.

Falls ein neuer Lockdown beschlossen wird, denken Sie, dass Ihr Betrieb wieder geschlossen wird?

Das glaube ich schon. Die Menschen sind jetzt schon immer zurückhaltender. Leider sind die Zahlen in Salzgitter, und in ganz Deutschland, seitdem der November angebrochen ist, hochgegangen. Da haben alle wieder Angst. Aber es ist wichtig, auch Verschärfungen zu haben, damit wir uns nicht gegenseitig anstecken. Die Gesundheit ist wichtiger.

Gibt es Dienste, die Sie nicht ausführen dürfen?

Leider dürfen wir im Moment nicht zum Außendienst, weil es eine Gefahr für die Menschen, die wir besuchen, ist, da diese meist schwer krank oder bettlägerig oder älter sind. Und wenn doch, dann würde ich meinem Personal das gar nicht zumuten, sondern es selber machen.

Durften sie in den Außendienst, als die Zahlen vor ein paar Monaten wieder gefallen waren?

Nein, dann auch nicht. Wir machen das gar nicht, weil die Ansteckungen wieder hochgegangen sind und man einfach zu locker mit den ganzen Sachen umgegangen ist. Wir haben in unserem Betrieb noch gar keine Lockerungen gemacht, da ich einfach nicht für Lockerungen bin.

Haben Sie Kunden, die zu Risikogruppen gehören und nicht kommen konnten?

Wir haben einige Kunden, die auch wie ich Asthma haben, und auch ein paar Kunden, die ohne Mundschutz bei uns sind, weil sie Asthma oder etwas mit dem Herzen haben und nicht richtig Luft bekommen. Da muss man natürlich auch wieder ganz vorsichtig sein. Deshalb habe ich mein Hygienekonzept, dass wir an jedem einzeln arbeiten. Ich habe in Salzgitter drei Räume und nur einen sitzen, und beharre auch darauf, dass Familien an einem Tag gleichzeitig zu uns kommen und nicht mehr einzeln.

Sie meinten ja, dass sie viele ältere Kunden haben. Haben sie auch etwas mit einem Altersheim zu tun?

Wir haben seit 20 Jahren ein Altersheim, was wir auch unterstützen, indem wir ein kleines Friseurgeschäft dort haben. Wir haben Ende Juni dort wieder angefangen zu arbeiten. Wir haben also fast einen Monat gebraucht, bis wir die Hygieneverordnungen gegenseitig hinbekommen haben und auch einhalten konnten. Mit den Älteren ist es etwas schwieriger im Altersheim, aber das klappt mit dem Personal sehr gut. Die Abstandsregelungen sind auch sehr anstrengend, aber ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin sehr glücklich, dass wir wieder dahin dürfen und dass wir jedem dort wieder Freude bereiten dürfen. Das war für die Altersheime in der Regel eine sehr schwierige Zeit. Wir haben Kundschaft im Alter von 70 bis 100 und die sind alle überglücklich, dass sie wieder menschlichen Kontakt haben dürfen.

Sie haben ein komplett ausgestattetes Geschäft im Altersheim?

Ja. Wir haben da ein richtiges Friseurgeschäft, das so gut 10 bis 15 Quadratmeter groß ist. Da darf momentan immer nur ein Personal und ein Kunde drinnen sein. Wir werden dort auch immer getestet, mittlerweile bekommen wir sogar jedes Mal einen Coronatest.

Wenn sich einer Ihrer Mitarbeiter oder Kunden anstecken würde, was wären die Folgen für Ihr Geschäft?

Die Folgen sind, dass wir sofort unsere ganzen Unterlagen, die wir drei Wochen bei uns behalten müssen, dem Gesundheitsamt abgeben. Dann müssen wir gleich beide Geschäfte schließen. Das Altersheim dürfen wir auch zwei Wochen lang nicht mehr bedienen. Dann bekommen wir alle einen Coronatest, und, falls sonst nichts mehr ist, geht es nach zwei Wochen wieder normal weiter. Bis jetzt ist das aber noch nicht passiert. Wir hatten zwar einige Kunden, die abgesagt hatten, und von denen wir später erfuhren, dass sie Corona hatten, aber es ist noch niemand mit Corona hergekommen.

Dann danke ich Ihnen für das Interview und für Ihre Informationen und Antworten.

Ich danke Ihnen auch. Es war eine schöne Sitzung mit Ihnen.


Zur Person: Sie ist eine Friseurin, die anonym bleiben wollte. Ihr gehören zwei Friseursalons schon seit vielen Jahren.

Interview geführt von: Joseline J. (am 28.11.2020), Bild: pixabay

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