American Football – Fehlende Popularität

In Europa seit einigen Jahrzehnten auf dem Vormarsch, in den Vereinigten Staaten schon knapp ein Jahrhundert fester Teil der Kultur. Trotz der wachsenden Popularität außerhalb der USA ist American Football immer noch vielen Menschen auf der Welt unbekannt. Angenommen man geht durch die Straßen einer Großstadt in Deutschland und befragt 100 Menschen, was sie über Football wissen, sind die häufigsten Antworten: „Ich habe letztes Jahr den Super Bowl gesehen“, „Das ist doch das, wo die sich gegenseitig so doll umhauen?“ oder „Mal von gehört, aber noch nie wirklich gesehen“. Nur von den Wenigsten bekommt man zu hören, dass sie die NFL, geschweige denn eine lokale Mannschaft, aktiv verfolgen. Dies liegt auch in großen Teilen an der Komplexität des Sports an sich, daher ist es wichtig, die Regeln von American Football einmal zu erklären.

Die Spielregeln

American Football ist ein 11 gegen 11 Vollkontakt-Mannschaftssport. Dabei kann es heiß hergehen und zu schweren Kollisionen zwischen den Spielern kommen. Deshalb tragen alle Spieler zum eigenen Schutz und zum Schutz der anderen einen Helm, ein Schulterpolster, sowie Knie-, Oberschenkel- und Hüftpolster.

Football gehört zu den Endzonenspielen. Das Ziel ist, mehr Punkte innerhalb der 4 Spielviertel zu erzielen als der Gegner. Während des Spiels befindet sich immer die Offense des einen Teams und die Defense des anderen auf dem Feld.

Ein American Football- Spieler wird bei einem Tackle zu Boden gebracht

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Die Offense will den Ball bewegen, um schlussendlich in die Endzone zu gelangen und dabei einen „Touchdown“ zu erzielen. Nach einem „Touchdown“ besteht zusätzlich die Möglichkeit den Spielstand um einen oder zwei Punkte zu erhöhen. Für einen Punkt muss der Ball hierfür aus naher Distanz durch die Torstangen, auch „Uprights“ genannt, geschossen werden. Im Gegensatz dazu ist die „2-Point Conversion“ die zweite Möglichkeit, um den Spielstand nach einem Touchdown zu erhöhen. Hierbei muss der Ball erneut, aber dieses mal von der 2-yard Linie, in die Endzone bewegt werden. Des Weiteren ist es möglich, durch ein sogenanntes „Field Goal“ zu punkten. In dem Fall wird der Ball nicht in die Endzone bewegt, sondern es wird versucht, mit dem Ball durch die hinter der Endzone aufgestellten Torstangen zu schießen.

Die Offense kann den Ball auf 2 verschiedene Weisen bewegen. Zum einen besteht die Möglichkeit, den Ball auf dem Boden zu bewegen, indem ein Spieler von Beginn des Spielzugs an mit ihm läuft. Zum anderen kann der Ball bei einem Passspielzug geworfen werden. Alles in Allem hat die Offense 4 Versuche (Downs), um 10 yards, umgerechnet ca. 9,1 Meter, zu überbrücken, und so ein neues „First down“ zu erhalten. Dabei beginnt jeder Spielzug mit dem Snap durch den „Center“ an der „Line of Scrimmage“ (kurz LOS).

Prallgefülltes Stadion der Texas A&M University

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Die Defense hingegen möchte jegliche Bewegung des Balls in Richtung ihrer Endzone verhindern. Dies kann sie erreichen, indem die Verteidiger so wenig Raumgewinn zulässen, sodass das gegnerische Team den Ballbesitz verliert, genannt „Turnover on downs“. Der Ballträger wird dabei durch einen Tackle zu Boden gebracht. Ein Tackle beschreibt beim American Football das Zubodenbringen des gegnerischen Ballträgers mit Hilfe des eigenen Körper. Jedoch ist es nicht erlaubt, den Gegner am Hals oder darüber zu tacklen.

Des Weiteren kann die Defense durch eine „Interception“ oder „Fumble recovery“ den Ballbesitz für das eigene Team zurückbekommen. Die sogenannte „Interception“ lässt sich wörtlich übersetzen. Dabei wird der Ball, welcher von der Offense geworfen wird, von einem Spieler der Defense gefangen und möglicherweise auch zurückgetragen, wobei ein Touchdown ebenfalls möglich ist. Eine „Fumble recovery“ ist hingegen das Aufheben eines freien Balls, welcher von einem Ballträger fallengelassen wurde.

Jedoch fängt jedes Football-Spiel weder mit Offense noch mit der Defense an. Ähnlich wie beim Fußball gibt es einen Anstoß, auch „Kickoff“ genannt. Dabei wird der Ball vom einen Team zum anderen geschossen und somit ins Spiel gebracht. Dieser gehört zu den „Special Teams“. Weitere „Special Teams“ sind der „Kickoff-Return“, der „Punt“ und der „Punt-Return“, das „PAT Field Goal“ und der „Field Goal Block“.

Die NFL

Die „National Football League“ (NFL) ist die größte populärste und auch älteste Football-Liga der Welt. Gleichzeitig ist sie außerdem die größte Sportliga der Welt. Die Spiele werden nicht nur in den USA, sondern auch international auf verschiedenen Sprachen, darunter auch Deutsch und Spanisch, übertragen.

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Die Liga selbst besteht aus 2 „Conferences“: Die AFC (American Football Conference) und die NFC (National Football Conference). Beide bestehen aus jeweils 4 Gruppen, den sogenannten „Divisions“, mit 4 Teams. Während jeder Saison spielt jedes Team 2 mal gegen die anderen Teams seiner Division, sowie seit 2021 elf weitere Gegner aus AFC und NFC. Die Saison beginnt dabei meist im August mit dem „Draft“, bei dem Nachwuchstalente vom College von den NFL Teams für sich ausgewählt werden. Am Ende des Sommers beginnt die Saison dann mit einer dreiwöchigen „Pre-season“. In diesen 3 Wochen spielen die Teams 3 Testspiele zur Vorbereitung auf die 18 Wochen lange „Regular season“. In der Regular Season spielt jedes Team 17 Spiele und hat zusätzlich eine freie Woche, die „Bye week“, zur Erholung für die Spieler.

Nach der Regular season stehen die „Playoffs“, in denen die besten Teams aus AFC und NFC um den Einzug in den Super Bowl, dem Finalspiel der NFL, kämpfen. Besonders im Dezember geht die Saison der NFL daher in ihre heiße Phase. Es geht um den Einzug in die Playoffs. Dorthin kommen jeweils die Gewinner der 4 Division und die 3 besten Mannschaften der Conference. Daraufhin spielen diese in einer der Fußball-WM ähnlichen K.O.-Runde innerhalb der Conference. Letztendlich stehen sich die Gewinner der AFC- und NFC-Championshipgames im Super Bowl gegenüber, welcher weltweit eines der größten Sportevents ist – vergleichbar mit dem Finale einer Fußballweltmeisterschaft. Die Playoffs finden jedes Jahr im Januar und der Super Bowl in der ersten Februarwoche statt. Im Februar 2021 gewannen die Tampa Bay Buccaneers zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins das Meisterschaftsspiel.

Illuminierte Mercedes-Benz Arena zum Super Bowl 53 in Atlanta, Georgia im Februar 2019

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Weltweit gibt es noch weitere große Football-Ligen, wie die Canadian Football League, die German Football League oder die 2020 gegründete European League of Football. Auch in den USA gibt es immer wieder neuen Ligen, die ermöglichen, den Sport außerhalb der NFL professionell zu betreiben und Spielern in die NFL zu verhelfen.

Die Probleme des American Football außerhalb der USA

Football ist eine der beliebtesten Sportarten in den Vereinigten Staaten. Wie kann es jedoch sein, dass American Football in den USA sich so großer Beliebtheit erfreut, außerhalb der Staaten aber nur eine Randsportart ist.

Betrachtet man Deutschland fehlt es Football nach wie vor an Popularität. Sportarten wie Fußball oder Handball sind deutlich bekannter und bereits seit längerer Zeit etabliert. Die meisten Dörfer Deutschlands besitzen bespielsweise einen Fußballverein. Beim Football hingegen kann man sich glücklich schätzen, wenn es in der nächstgelegenen Großstadt eine Mannschaft gibt. Laut dem DFB gibt es in Deutschland mehr als 125.000 Vereine mit über 7 Millionen Mitgliedern. Im Vergleich dazu hat der American Football Verband Deutschland (AFVD) nur knapp 70.000 Mitglieder verteilt auf rund 450 Vereine. Ein monumentaler Unterschied, was die Unterlegenheit des Footballs in Sachen Popularität eindeutig illustriert.

Dazu fehlt den Jugendlichen die Verbindungen zum American Football. Die meisten Kinder und Jugendlichen in den USA kommen durch die Middle oder High School mit dem Sport in Berührung. Jugendsportmannschaften in Deutschland und auch großen Teilen Europas sind dagegen getrennt von der Schule. Somit fehlt die Verbindung. Ein weiterer riesiger Unterschied.

Des Weiteren ist Football ein einsteigerunfreundlicher Sport. Ein schnelles Einsteigen in ein Footballspiel ist praktisch unmöglich, da die Regeln sehr komplex sind. Zusätzlich ist der Sport mit einem gewissen Risiko verbunden und die benötigte Ausrüstung ist durchaus teuer. Ein qualitativ hochwertiger Helm kann dabei an die 600 Euro kosten. Somit ergibt sich auch, dass das nicht organisierte Spielen eines Footballspiels unmöglich ist.

Letztlich mangelt es dem deutschen Football an Professionalität. Die Ligen sind größtenteils in Richtung Amateur- und Halbprofisport ausgerichtet. Die lokalen Spieler erhalten dabei nur in wenigen Fällen Geld für das Spielen für einen Verein. Ausnahmen sind Importspieler aus den USA oder anderen europäischen Ländern. Selbst deutsche Spieler in der GFL werden nicht bezahlt. Ganz im Gegenteil, viele bezahlen sogar noch Vereinsbeiträge und ihre eigene Ausrüstung, damit sie für ihren Verein spielen können. Hinzu kommt auch eine äußerst geringe Medienpräsenz auf nationaler Ebene. Spiele werden im Ganzen nur in seltenen Fällen übertragen. Lediglich lokale Medien verschaffen American Football etwas Bekanntheit. Somit gelangt wenig Aufmerksamkeit auf die GFL und Football in Deutschland generell.

Fazit

Natürlich mag American Football auf den ersten Blick durchaus verwirrend wirken. Trotz dessen ist der Sport weiterhin auf dem Vormarsch. Jedes Jahr wird er bekannter, nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Immer mehr Menschen werden aufmerksam auf den amerikanischen Kultsport. Besonders Jugendliche finden immer häufiger Gefallen an American Football. Jedoch braucht es bessere Förderung des Sports, mehr mediale Aufmerksamkeit und professionellere Organisationen, um aus Football eine Volkssportart außerhalb der USA zu machen. Bis das geschieht, bleibt American Football außerhalb der Staaten weiterhin ein Randsport.

Sollte euch trotzdem die Lust gekommen sein, euch einmal ein Spiel selbst anzuschauen, könnt ihr jeden Sonntag um 19:00 und 22:20 Uhr jeweils ein Spiel auf ProsiebenMaxx im FreeTV sehen. Des Weiteren wird im Jahr 2022 die Möglichkeit bestehen, sich für wenig Geld Spiele der Hildesheim Invaders live vor Ort anzusehen. Sogar Kinder und Jugendliche haben die Möglichkeit, American Football zu spielen, und zwar in den Jugendmannschaften der Hildesheim Invaders.

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