Weihnachten mal anders

So wie jede Jahr ist es bald wieder soweit. Weihnachten steht vor der Tür. In einem christlich geprägten Land wie Deutschland ist es ja kein Wunder, dass dieses Fest einen großen Stellenwert hat. Selbst viele Nicht-Christen lassen sich hier zu Lande die Feierlichkeiten nicht entgehen. Aber wie ist das eigentlich in Regionen unserer Erde, in denen das Christentum nie wirklich Fuß fassen konnte? 

Eines dieser Gebiete ist zum Beispiel Japan. Ein Land, das sich Jahrhunderte lang dem Westen verschloss und in dem Christen weniger als 1% der Gesamtbevölkerung ausmachen. „Kurisumasu Ibu“, wie die Japaner Weihnachten auch nennen, unterscheidet sich deshalb auch von unserer Art, dieses Fest zu feiern. Abgesehen davon, dass es kein offizieller Feiertag ist, haftet ihm auch keinerlei religiöse Bedeutung an.  

Bei uns in Deutschland ist Weihnachten ein typisches Familienfest. Die gesamte Verwandtschaft wird eingeladen und verbringt gemeinsam Zeit. Dies ist in Japan eher ungewöhnlich. Als eine Art zweiter Valentinstag dient es vor allem als Fest für Paare. Wenn man nun überlegt, wie man sein Date verbringt, wäre eine Option, gemütlich durch die Stadt zu schlendern. Schließlich zeichnet sich das japanische Weihnachten durch aufwendige Lichtspiele und schon fast übertrieben anmutende Weihnachtsdekorationen aus. Den Passanten wird ein regelrechtes Lichtspektakel geboten. Wer sich daran zwar sattgesehen hat, aber noch von seinem leeren Magen geplagt wird, bevorzugt anschließend ein Restaurant zu besuchen. Für gewöhnlich überreichen sich die Pärchen hierbei ihre Geschenke und genießen den Abend.  

Wer keine Reservierung ergattern konnte oder doch lieber mit seiner Familie feiert, bemüht sich wahrscheinlich um ein Weihnachtsmenü bei, man mag es kaum glauben, dem amerikanischen Fastfood Giganten KFC. Denn in Japan gilt Kentucky Fried Chicken als regelrecht typisches Weihnachtsessen. All das begann 1974 durch eine wohl sehr erfolgreiche Werbekampagne des Großunternehmens, in der der Bevölkerung KFC als „typisch amerikanisches Essen“ verkauft wurde. Um nur kurz das Ausmaß dieses Werbeerfolgs zu begreifen: KFC verdient am 24. und 25. Dezember 20% des gesamten Jahresumsatzes. Aber zu einem klassischen japanischen Weihnachtsessen gehört nicht nur frittiertes Hähnchen, sondern auch ein „Christmas Cake“. Dieser fluffige Bisquiterdbeerkuchen darf auf keinem Teller fehlen.  

Natürlich gibt es für die Kinder auch eine Art Weihnachtsmann. Der sogenannte „Hoteiosho“ ist allerdings eine Mischung aus Weihnachtsmann und Krampus. Also nicht nur der liebevolle Geschenkelieferant, sondern auch der Kinder bestrafende Benehmenskontrolleur.  

Für alle, die keinen romantischen Abend verbringen oder mit ihrer Familie KFC Hähncheneimer verschlingen, gibt es noch eine äußerst lebendige Partyszene. Denn in Japan ist Weihnachten auch ein Tag, um Zeit mit seinen Freunden zu verbringen und ordentlich zu feiern. Dabei ist es auch nicht ungewöhnlich, sich zu verkleiden, auch wenn uns Europäer dies wohl mehr an Halloween erinnert.  

Wie man sehen kann, ist der christliche Gedanke nicht unbedingt nötig, um ein Weihnachtsfest zu ermöglichen. Denn am Ende ist Weihnachten das, was man daraus macht.  

Welcher japanische Weihnachtsbrauch hat euch am meisten überrascht? Und kennt ihr vielleicht sogar noch mehr kuriose Weihnachtstraditionen aus anderen Ländern? 

Bild: Pixabay- DonnaOpferSongwriter

Text: Tim Hartmann

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